Dokumentation

Fachtag "Sprache schafft Chancen"

Engagement im Integrationsbereich zukunftsfähig gestalten!

Donnerstag, 22. Oktober 2020

10:30 - 15:30 Uhr DIGITAL


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Beginn und Begrüßung

Lilian M. Grote, Projektleitering von "Sprache schafft Chancen", begrüßt alle Teilnehmenden, Gäste und Referenten*innen.
Ursula Erb erläutert anschließend den Ablauf der Veranstaltung:
10:30 Uhr Beginn und Begrüßung durch Moderation Fr. Ursula Erb

10:40 Uhr Impulsrede mit anschl. Fragemöglichkeit Frau Prof. Dr. Han-Broich

12:00 Uhr Markt der Möglichkeiten parallel zur Mittagspause
13:00 Uhr Workshops 01-04
14:30 Uhr Offenes Gespräch zum Thema „5 Jahre...“
15:30 Uhr Plenum und Abschluss



Impulsvotrag

zum Thema "Wert und Zukunftsorientierung des freiwilligen Engagements für Geflüchtete"

Frau Prof. Dr. Misun Han-Broich ist Lehrbeauftragte in Marburg und Berlin mit den Schwerpunkten "Migration, Integration, Interkulturalität, Freiwililgenmanagement, Sozialmanagement", Autorin (Auflistung der Publikationen) sowie selbstständige Referentin im Themenkomplex Ehrenamt, Migration und Integration.



Frau Han-Broich hält ihren Vortrag zum Thema „Wert und Zukunftsorientierung des freiwilligen Engagements für Geflüchtete“ und zieht, fünf Jahre nach der sogenannten Flüchtlingskrise, eine erste Bilanz des Engagements. Der dramatische Anstieg der (weltweiten) Fluchtmigration nach Deutschland und die Aufnahme von Millionen geflüchteter Menschen stellte eine nie dagewesene gesellschaftliche Herausforderung dar und führte zu gesellschaftlicher und politi¬scher Spaltung. Auf der einen Seite stand die gewaltige Willkommenskultur, die eine beispiellose Welle der Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung und ein nie dagewesenes zivilgesellschaftliches Engagement auslöste.

Auf der anderen Seite wuchsen die Sorgen in der Bevölkerung über veränderte Nach-barschaften, Kriminalität, Konkurrenz am Arbeitsplatz und zu viel „Multi Kulti“. Populismus, Rechtsextremismus und Rassismus nahmen zu.     

Und doch: der Wert und die Bedeutung des Engagements insbesondere für die Geflüchteten ist und bleibt von unschätzbarem Wert. Die Integrationsleistungen der Zivilgesellschaft und des Ehrenamts waren enorm, u.a. die Integrationsbilanz kann sich sehen lassen:

  • 55.000 Menschen in Ausbildung
  • 130.000 Geflüchtete im deutschen Schulsystem
  • Über 431.000 Menschen aus den Asylherkunftsstaaten in Arbeit (2019)

o    360.000 davon sozialversicherungspflichtig

o    Viele in systemrelevanten Bereichen (in der Krankenpflege, in Seniorenheimen, im Einzelhandel)
o    In den von Corona hart betroffenen Branchen (in Zeitarbeit oder im Gastgewerbe)

 

Dem Ehrenamt kommt eine ganz besondere Bedeutung für die Integration zu. Nur durch ehrenamtliches Engagement konnte Integration ganzheitlich werden. Frau Han-Broich führte hier drei Ebenen an, die auf kognitiv-kultureller Ebene (das sind Sprachkompetenz, Wissen, Fertigkeiten usw.), die seelisch-emotionale Ebene (subjektiv empfundene Zufriedenheit, seelisches Gleichgewicht etc.) sowie die Ebene der sozial-strukturellen Integration (Kontakte, Freundschaften, Partizipation, Teilhabe an Positionen/Status). Die Ehrenamtlichen trugen also maßgeblich dazu bei, dass Geflüchtete die deutsche Sprache lernen konnten, sie halfen ihnen bei der Wohnungssuche, bei Bewerbungen und wurden ihre Brücke in die deutsche Gesellschaft. Durch die Ehrenamtlichen fühlten sich die Geflüchteten akzeptierter, respektierter, wohler, zufriedener, hoffungsvoller und wertgeschätzter. Eine flächendeckende und vor allem ganzheitliche Versorgung wäre alleine mit Hauptamtlichen nicht möglich gewesen. Denn die größte Wirkung des Ehrenamts ist eben diese: die seelisch-emotionale Integration. Durch ganzheitliche Begegnungen, Nähe und fehlende Bewertung, konnten viele Geflüchtete trotz Traumaerfahrungen ihre seelisch-emotionalen Blockaden lösen und erste Schritte zur Integration gehen. Die Motivation zur Integration stieg.


Doch warum engagieren sich Menschen überhaupt?

Die Motivlage der Ehrenamtlichen besteht vorwiegend aus intrinsischen Gründen, die häufig mit einer empathischen Persönlichkeitsstruktur oder ethisch/religiöse Gründen zusammenhängen.     
Insgesamt gibt es vier Beziehungstypen im Ehrenamt: die Lernbeziehung (Vermitteln von Werten, Normen Sprache), die Kompensationsbeziehung (kompensieren der negativen Behördenbeziehung und/oder Aufnahmegesellschaft), die Kapitalbeziehung (z.B. Wohnungen und Arbeit vermitteln, Abschiebungen verhindern etc.) und die Ersatzbeziehung (Ersatz für verloren gegangenes soziales Gefüge). Durch diese Beziehungen wirkt der Ehrenamtliche als positiver Multiplikator in der Aufnahmegesellschaft und hat eine versöhnende Funktion. Im Konfliktfall wirkt er ausgleichend und vermittelnd zwischen den beteiligten Parteien. Dadurch wird auch rechtsradikalen Tendenzen und Fremdenhass entgegengewirkt und die Akzeptanz für Geflüchtete gestärkt.


Wie gestaltet sich nun also die Zukunftsfähigkeit?   
Der Ehrenamtliche darf mit seiner Arbeit nicht alleine gelassen werden, da es auch zu Grenzen und Barrieren kommen kann (interkulturelle Missverständnisse, Überforderung, Frustration usw.). Ziel muss deshalb die Stärkung der interkulturellen Kompetenzen, Supervision/Intervision sowie Schulungen sein. Auch der physischen Überforderung muss entgegengewirkt werden. So sollte das Kompetenzprofil der Ehrenamtlichen klar von dem der Hauptamtlichen getrennt sein: Freiwillige sollten die Hauptamtlichen nicht mit unangemessenen Erwartungen konfrontieren und Hauptamtliche sollten eine positive und wertschätzende Feedback-Kultur einüben (d.h. das Engagement nicht nur als Mittel zur Problemlösung reduzieren). Denn: Bewusstsein/Erkenntnis über den tiefer liegenden Sinn des Ehrenamts wirkt dauerhaft motivierend. Hauptamtliche stellen in Bezug auf die Zukunftsfähigkeit des Ehrenamts eine Schlüsselfigur dar und sollten sich deshalb Kenntnisse über die Ehrenamts-Typen und die Motive der Ehrenamtlichen aneignen und diese stärken. Wichtig zu erwähnen ist zudem der Aufbau eines professionalisierten Ehrenamtsmanagement in Form von Fortbildungen oder einer Ausbildung zum/zur Freiwilligenmanager*in.   

Zum Abschluss betont Frau Dr. Han-Broich, dass wir gemeinsam als Gesellschaft an einem Strang ziehen müssen, um eine Gesellschaft zu gestalten, in der alle Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund eine gesunde Identität entwickeln und so ganzheitlich integriert und selbstbewusst in der Mitte der Gesellschaft leben können.

 

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Präsentation des Vortrags
Vortrag Eichstätt_Wert und Zukunftsorien
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Markt der Möglichkeiten mit:


Goethe Institut e.V. (Julia Wecker): Mein Weg nach Deutschland

Das Projekt „Ankommen in Deutschland“ soll insbesondere Neuzugewanderte aus Drittstaaten unterstützen, ihren Start im neuen Land zu erleichtern. Kern des Projekts ist das seit 2013 bestehende Webportal „Mein Weg nach Deutschland“. Künftig können sich Zugewanderte an sogenannte Infohäusern (Multimediasäulen) auch dort informieren, wo es bislang eher an Angeboten mangelt, etwa im ländlichen Raum. Darüber hinaus finden sie dort spezifische regionale Informationen, können die Online-Beratung der Jugendmigrationsdienste nutzen, anhand von Spielen und Übungen ihre Deutschkenntnisse verbessern oder sich in 29 Sprachen über das Alltags- und Berufsleben in Deutschland informieren. Ab September 2020 bis Ende 2021 werden insgesamt 35 Infohäuser an ausgewählte Standorte verteilt.


VHS-Ehrenamtsportal (Tobias Bönemann):

Das vhs-Ehrenamtsportal richtet sich an alle Menschen, die ehrenamtlich aktiv sind oder dies werden möchten sowie an hauptamtliche Ehrenamtskoordinatorinnen und -koordinatoren. Inhaltlich liegt der Schwerpunkt des vhs-Ehrenamtsportals neben dem bereits ausgebauten Bereich Flüchtlingsarbeit auf dem neuen Themenschwerpunkt Alphabetisierung und Grundbildung. Ziel ist es, allen Menschen in Deutschland zu ermöglichen, an der Gesellschaft und im beruflichen Leben teilzuhaben und sich im Alltag zurecht zu finden.
Weitere Links:


Ernst Klett Sprachen (Donato Miroballi):

Das Programm des Ernst Klett Sprachen Verlags umfasst maßgeschneiderte Lernmedien in Print und Digital für über 24 Sprachen, darunter auch Deutsch als Muttersprache, Zweitsprache und Fremdsprache. Neben Lehrwerken wird eine breite Palette von Lektüren, Grammatiken und Wortschätzen bis hin zu Produkten für Unterrichtsgestaltung und Zertifikatsvorbereitung angeboten. Der Verlag steht für Sprachenvielfalt und setzt sich als Ziel, das Lehren und Lernen von Fremdsprachen zu erleichtern. Weitere Informationen finden Sie unter www.klett-sprachen.de.


Telc-language Tests (Alexander Wallerer):

„Telc language tests“ ist ein Sprachprüfungssystem und bietet die Möglichkeit, den Sprachstand in 10 Sprachen nach GER (Gemeinsame Europäische Referenzrahmen) in validen und standardisierten Testverfahren mittels objektiver Bewertung auf den Prüfstand zu bringen. telc entwickelt zudem Lehrwerke und andere Unterrichtsmaterialien für Deutsch als Fremd- oder Zweitsprache, die gezielt auf telc-Sprachprüfungen vorbereiten und bietet ein umfassendes Weiterbildungsprogramm mit Intensivseminaren, Workshops, Lehrgängen und Online-Fortbildungen an.


Lernen-Lehren-Helfen der LMU München (Patrick Zahn):

Lernen – Lehren – Helfen ist ein Projekt des Instituts für Deutsch als Fremdsprache der Ludwig-Maximilians-Universität München. Es unterstützt Freiwillige in Bayern, die Asylbewerberinnen und Asylbewerbern beim Erlernen der deutschen Sprache helfen, und fördert deren fokussierten Spracherwerb. Das kostenlose Angebot umfasst u.a. Schulungen für ehrenamtliche Deutschkursleiterinnen und -leiter, Zugang zur DUO-Lernplattform (Lizenzen), Hospitationen, Materialien und Leitfäden und Vieles mehr. Nicht verpassen: die Smartphone-App „WIR in Deutschland – zusammen Leben lernen 2.0“. Die Fortsetzung der 2019 erschienenen App "WIR in Deutschland" und ergänzt das Themenfeld um sechs weitere Kapitel. Die Apps der „WIR-Serie“ vermitteln zivilgesellschaftliche Regeln sowie die diesen zugrundeliegenden Werten und Prinzipien in leicht verständlicher deutscher Sprache.


Workshops

 

WS01: Chancen nutzen! Einstieg in die digitale Sprachvermittlung

 

 

 

Referent: Ludwig Lier Tür an Tür Augsburg – Integrationsprojekte gGmbH

  • Digitalisierung kam sehr plötzlich
  • April: erstes Online-Seminar und erster Stammtisch für Freiwillige
  • Digitale Tandems bis zu 3x/Woche

o   Frage: liegt die Zukunft in der Hybridität? -> Hybridität bringt den Vorteil, dass eine Veranstaltung/ein Treffen im Notfall auch komplett digitalisiert werden kann

 

Wie kann Deutschlernen 4.0 funktionieren?

  • Rein analoges Lernen nicht mehr zeitgemäß
  • Hybridität als Chance, insbesondere in Zeiten von Corona

  • Tipps von Ludwig: bei fehlenden Endgeräten ist das Chrome Book zu empfehlen; Bayern-WLAN oder offene Lernorte wie Stadtbüchereien um Zugang zu WLAN zu bekommen.
  • Thema Angst vor dem Digitalen:

o   man kann nicht viel falsch machen

o   seid enthusiastisch! Wenn der Enthusiasmus überspringt, ist das meiste gewonnen

o   bietet niederschwellige Angebote an

  • Digitale Spiele? -> Learningapps

Vorbereitung der digitalen Sprachbegleitung

  • Keine wechselnden Zeiten -> fixe Zeiten sind verbindlicher
  • Pro UE anfangs ca. 45 Minuten einplanen, dann anpassen
  • Das richtige Tool: Empfehlung ist Zoom (Datenschutz wird angeglichen); für Schulen Microsoft Teams
  • Wichtig ist immer die Frage: was brauche ich? -> Gerne viel ausprobieren, beide Seiten müssen sich damit wohlfühlen

Durchführung der digitalen Sprachbegleitung

  • Gemeinsam mit der*dem Partner*in realistische (!) Ziele für jede UE definieren
  • Relevante und interessante Themen aussuchen (alles ist möglich, auch gemeinsam Netflix schauen)
  • Gemeinsam mit der*dem Partner*in passende Tools & Apps auswählen und auch ausprobieren
  • Den Lernfortschritt immer wieder überprüfen und die Ziele ggf. anpassen

Durchführung der digitalen Sprachbegleitung

  • Was lief gut? Was lief weniger gut?
  • Was nehmen wir uns für das nächste Treffen vor?
  • Wie kann die gemeinsame Zusammenarbeit optimiert werden?

Tools für die digitale Sprachbegleitung

o   Karteikarten- und Vokabeltrainer-App

o   Nachteile: z.T. fehlerhafte Lernsets (da durch Lernende selbst erstellt); kann nicht offline genutzt werden

o   Vorteil: Set kann dupliziert werden

o   Angebot des GT in Kooperation mit der Deutschen Welle

o   unterhaltsame Videos rund um Deutschland

o   Zielgruppe sind eher Jugendliche, aber auch für Erwachsene geeignet

o   ab Niveau A2 (eher B1+)

o   Kostenlos

o   Telenovela

o   Zielgruppe: Jugendliche und junge Erwachsene

o   Medien: Video, Text, interaktive Übungen

o   Viele Sprachanlässe

o   Basiert auf einer Webserie

o   Kostenlos und komplett digital verfügbar

o   Fast unerschöpfliche Ressource

o   Autonomes Lernen möglich

o   Keine App notwendig

o   Einziges Lehrwerk, das für die I-Kurse zugelassen ist

o   Wortschatzübungen sehr schön; andere Übungen oft zu komplex und nicht für Selbstlernende



 

WS02: Nachwuchsgewinnung konkret: Neue Freiwillige finden und binden

 

 

Referentinnen: Corinna Lange und Verena Martin, Team swaf – Fellows in Nürnberg


Einstiegsfrage: Wie kann man die Arbeit mit Geflüchteten bezeichnen?

-> als Herzensangelegenheit und selbstverständliches Miteinander!

 

Vorstellung von Start with a friend

 

  • Ziel ist es, Freundschaften zu stiften und dadurch Vorurteile abzubauen und Sprachkenntnisse zu stärken
  • In drei Schritten zum Tandem:
  1. SwaF kennenlernen
  2. Kontakt zu Geflüchteten
  3. Tandemfreundschaft
  • Dabei stellt das Tandem keine ehrenamtliche Hilfe dar, sondern Freundschaft auf Augenhöhe (69% der Tandems geben an, dass sie Freunde geworden sind)
  • Bisher mehr als 6.800 Tandems

Interaktiver Part mit Aufteilung in drei Gruppen zur Frage: Wie gewinne ich Freiwillige?

 

Gruppe 1: Wie gewinnen wir Freiwillige mit verschiedenem Hintergrund?  
Als neue Ideen kamen Kooperationen mit Unis, Praktikanten-Börse und Werbung in Gemeinschaftsunterkünften in verschiedenen Sprachen auf.

Gruppe 2: Wie können wir Freiwillige langfristig motivieren und wertschätzen?         
Zum einen kann man neben Versicherungsschutz auch regelmäßige Treffen und Schulungen anbieten. Auch Auslagenersatz und ein*e Ansprechpartner*in für (rechtliche) Fragen ist ein Mittel der Motivation. Vor allem aber ist eine Dankes-/Anerkennungskultur wichtig.

 

Gruppe 3: Wie nutzen wir digitale Kanäle effektiv?   
WhatsApp bleibt als wichtigstes Kommunikationsmedium bestehen, aber auch Social-Media wird immer wichtiger – vor allem für junge Leute. Es gibt auch Alternativen wie Telegram, Signal oder Threema. Wichtig ist vor allem, dass der digitale Kanal der Zielgruppe angepasst wird. Eine bunte Zielgruppe erreicht man am besten, indem man dahin geht, wo man seine Zielgruppe auch trifft, auf Social-Media, durch befreundete Organisationen. Hierbei ist Storytelling natürlich auch immer wichtig. SwaF tritt selbst auf Festivals auf und verteilt Sticker, hat einen Infostand, ist auch in verschiedenen Facebookgruppen präsent. Den Freiwilligen sollte man eine Rollenvielfalt zur Verfügung stellen: Jede*r hat die Option, etwas zu verändern; jede*r gibt, so viel wie er*sie möchte.  Auf den Punkt gebracht geht es um „Ehrenamtliche binden – Kooperationspartner finden“.

 

Bundesweites Empowerment:

  • 30% der Engagierten bei SwaF haben selbst einen Migrationshintergrund
  • Wie erreichen wir unsere (bunte) Zielgruppe?
  • Frage: Wo trifft man seine Zielgruppe? -> Vor allem über soziale Medien und befreundete Organisationen
  • Wichtig: zielgruppenorientierte Ansprache, Storytelling
  • Wie begleitet man seine Zielgruppe?

o   Über E-Learning, aber auch persönliches Kennenlernen

o   Regelmäßige Infos

o   Anerkennung und Spaß

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Päsentation des Workshops 2
Start with a Friend - Workshop Wie gewin
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WS03: Zwischen Aufbruch und Belastung. Alltag und Lebensbedingungen von Geflüchteten in Bayern

 

 

Referent: Dr. Simon Goebel, KU Eichstätt


Rechte - Welche Rechte haben Menschen mit Fluchthintergrund?

  • Gesetze sind kompliziert, Einstieg: YouTube Video·        
  • Menschenrechte vs. Gesetze
  • Gesetze sind nicht leicht zu verstehen (viele Geflüchtete fordern daher, dass man sie im Sinne der Menschenrechte behandelt)

Arbeit – Welche Möglichkeiten gibt es?

  • Flüchtlings- und Integrationsberatung (verschiedene Träger)
  • Netzwerke BAVF II und FiBA 2 im Bundesprogramm „Integration von Asylbewerberinnen, Asylbewerbern und Flüchtlingen“ (neben „persönlicher“ Beratung auch per E-Mail)
  • Niedrigschwellige Beratung via WhatsApp in Zeiten von Corona sehr gefragt.
  • Schulungen können angefragt werden!

  • 3+2 Regelung: Hoffnung war groß, restriktive Auslegungen lassen Praxis teils scheitern. 82 Seiten komplexe Handreichungen für Ausbildungs- und Beschäftigungsduldung
  • Finanzierung der Flüchtlings- und Integrationsberatung wird immer schwieriger, Zuschüsse schwinden stetig.

Wohnen

  • Lager

o   Abschreckungsprinzip.
o   Schlechte Lebensbedingungen sollen Menschen abschrecken, damit sie nicht mehr kommen.

o   Vielfach Schlafstörungen unter Geflüchteten. Sinngemäßes Zitat eines Geflüchteten, der im Lager lebte: „Auch wenn wir sonst keine Rechte haben, so müssen wir doch zumindest das Recht haben zu schlafen.“

  • Dezentrale Unterbringung in privaten Wohnungen

o   Herausforderungen
o   Wohnungsmarkt
o   Diskriminierung
o   Ausnutzung von Wohnungsnot durch Vermieter*innen
o   Bürokratie

  • Geflüchtete kommen selten selbst zu Wort

 

Bleiben

  • Psychische Belastung

o   95% der UMF nehmen aufenthaltsrechtliche Unsicherheiten als enorme Belastung wahr

  • Bleibeperspektive

o   ohne „Bleibeperspektive“ (ab 50% Gesamtschutzquote) erhalten Asylbewerber*innen keinen Integrationskurs

o   Gesamtschutzquote wird aus den Entscheidungen des BAMF errechnet, obwohl viele Geflüchtete bei negativer Entscheidung des BAMF klagen und oft doch noch einen Schutz bekommen. Die korrigierten Bescheide werden für die „Bleibeperspektive“ nicht beachtet)

Zu was führt das alles?

  • Entlastung = Flucht aus Herkunftsland
  • Belastung = prekäre Wohnsituation, unsicherer Aufenthalt, finanzielle Unsicherheit, Probleme bei Arbeitsplatzsuche, Trennung von Familie / Freunden, Diskriminierung
  • Zu wenig Stellen für psychotherapeutische Beratung und Entlastung (z.B. Refugio)

Diskussion

  • Behörden sind zu langsam, weshalb Wohnungs- / Jobangebote verfallen. Wer kann was verändern? Kommunale Ebene? Regierungsebene? Staatsebene?
  • Geflüchtete finden Arbeit und Wohnung und bekommen keine Auszugsgenehmigung. Im Gegenzug dürfen sie nicht ausziehen und müssen das Bett in ihrer Unterkunft selbst bezahlen (318€ /Monat) und ggf. sogar selbst kaufen
  • Lösungsstrategien

o   Nicht aufgeben und immer wieder widersprechen.
o   Mit Politiker*innen in Kontakt treten.
o   In Kontakt treten.
o   Begegnungsorte schaffen. Können auch Flüchtlinge selbst mal Begegnungsorte schaffen?
o   Bei Missständen direkt ans Ministerium und an I-Lotsen wenden


 

WS04: Helferkreise neu entdecken. Gemeinsam denken und handeln!

 

 

 

Referentin: Vanessa Körner, lagfa bayern e.V.

Erarbeitetes Padlet einsehbar unter: https://padlet.com/koernerkommunikation/c0q236pn91lco1ah
Erarbeitetes Padlet einsehbar unter: https://padlet.com/koernerkommunikation/c0q236pn91lco1ah

Einstiegsfragen:

  • Woher kommen wir?
  • Werden wir gesehen?

Was läuft gut?

  • direkte Kommunikation mit Freiwilligen, mit den Helfer*innen
  • die Anlaufstelle zu sein / die Schnittstell / Vernetzungen
  • Helferkreise agieren mittlerweile sehr autark
  • Das, was ehrenamtlich geleistet wird und in hauptamtliche Strukturen überführt wird
  • Z.T. mehr Kapazitäten durch Corona (z.B. wegen weniger Dienstreisen)

Was läuft nicht gut?

  • Unterstützung von Entscheidungsträgern / Helferkreise sind organisatorisch auseinandergebrochen – viele sind nicht mehr organisiert, eher Einzelkämpfer, da durch Corona sehr viele Runde Tische entfallen -> man weiß sehr wenig voneinander
  • Wie schaffen wir es, dass hier wieder mehr Austausch stattfindet?
  • Es werden einfach weniger Helfer*innen, Helferkreise lösen sich auf, sind „Einzelkämpfer“ -> Corona verstärkt dies
  • Schwierig: die alteingesessenen Helferkreise sowie die neuen jungen, die nur Projektbezogenes machen wollen
  • Große Herausforderung: Raumnot bei Sprachkursen (durch Beschränkung durch Corona)

Was hilft:

  • Ganz konkrete Aufrufe, sich zu engagieren scheinen zu funktionieren (DAH) – sehr konkrete Engagementprojekte (klares Profil macht es einfacher), z.B. Ausbildungsbegleitung, einzelne neue Ansprechpartner*innen in den Gemeinden, Netzwerke der Freiwilligen miteinander verknüpfen

Was wünschen wir uns:

  • Wie bringt man auch Neue in „alte etablierte“ Helferkreise? Wie gewinnt man wieder mehr Menschen mit Migrationshintergrund und junge Menschen?
  • Wie kann man die Helferkreise besser unterstützen sich ein Profil zu geben?

Gestalten und Mitgestaltung für die Zukunft:

  • Neues Profil für die Helferkreise
  • Unterstützung vom Hauptamt – wie kann es aussehen?
  • Bedarfsanalyse für Projekte: Freiwillige fragen, was sie brauchen (am besten regelmäßig)
  • Beteiligung ermöglichen
  • Kontakt zu Migrantenverbände sowie Integrationsbeiräte suchen
  • Wer sitzt mit am Tisch und wenn kann man dazu holen?
  • Mehr Unterstützungsmöglichkeit für Migranten
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Präsentation des Workshops 4
Helferkreise neu entdecken! (1).pptx
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Moderiertes offenes Gespräch zu "5 Jahre..."

...Willkommenheißen, Hype, Ausnahmezustand, Diskussion, Polarisierung, Rechtfertigung uvm.

 

Gesprächspartnerin: Bayerische Integrationsbeauftragte Gudrun Brendel-Fischer
Moderation: Ursula Erb

 


Thema 1: Verfügbarkeit mobiler Endgeräte

  • Endgeräte verfügbar über Kommunen (Stadt München z.B. verleiht Handys)
  • In vielen Kommunen Hausaufgabenbetreuung über Studierende
  • eld sollte vorhanden sein -> Kultusministerium hat Gelder an die Schulen gegeben (in den großen Kommunen aufgrund der langwierigen Ausschreibungen jedoch schwierig)

Thema 2: Corona-Richtlinien

Thema 3: Aufgabengebiete der Integrationsbeauftragten (beratend oder weisend?)

  • Nicht weisungsbefugt
  • Eher vermittelnde Funktion (Kommunikation mit Städten und Kommunen)

Thema 4: Berufsanerkennung

  • Pro Regierungsbezirk eine Zuständigkeit

Thema 5: WLAN in den Unterkünften

  • Runder Tisch zu dieser Thematik in Planung
  • Ggf. Freifunklösungen

Thema 6: BAföG

Thema 7: Notwendigkeit interkulturelle Schulungen für Mitarbeiter*innen in Behörden

  • Will es gerne weitergeben

Thema 8: Ist der Zugang zu Informationen übers Internet ein Grundrecht?

Thema 9: Lehrer*innen mit syrischem Abschluss können an privaten Schulen arbeiten

  • Vorteil, da weitere Fremdsprache
  • Ziel: Lehrer*innen aus anderen Ländern sollen den Weg ins reguläre Schulsystem einfacher finden können (aktuell wegen der unterschiedlichen Ausbildungen/Studiengänge noch schwierig)

Thema 10: Corona

  • Die Schwächsten leiden am meisten
  • Kitas und Schulen sollen so lange wie möglich offenbleiben, dann blockweise Beschulung
  • Ggf. Pensionen für Geflüchtete anmieten, um die Quarantäne erträglicher zu machen

Thema 11: Herzensanliegen der Integrationsbeauftragten (Warum sind Sie Integrationsbeauftragte geworden?)

  • Wurde in das Amt berufen
  • Hatte als Lehrerin schon früh viel Kontakt zu vor allem türkischen Schüler*innen
  • Empfindet es als wichtig, dass wir miteinander und voneinander lernen
  • Andere Kulturkreise sind bereichernd
  • Frage nach konkreter Umsetzung?
  • Bei den Kleinsten anfangen/Kinder wirken in die Familien hinein
  • Integrationsrucksack (http://integrationsbeauftragte.bayern.de/integrationsrucksack/),
  • Zweisprachige Kinder- und Lesebücher

Thema 12: Zunehmende Auflösung von Integrationsklassen kontraproduktiv

Thema 13: Limitierung der Plätze für Deutschkurse

  • Wird aufgenommen

Schlusswort:

  • Frau Brendel-Fischer möchte Überzeugungsarbeit in skeptischen Bereichen leisten und Vorurteile abbauen
    Positives Beispiel: Sport
  • Jedes Ehrenamt ist wichtig, auch für die Integration
  • Aufforderung immer alle Anliegen gerne an sie weiter zu leiten (integrationsbeauftragte@bayern.de)

Dank und Beendigung des Fachtags durch die Moderatorin Frau Ursula Erb.



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Dokumentation des Fachtags_2020.pdf
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Für das Protokoll:

 Magdalena Reith, Lilian M. Grote

 Beatrix Hertle, Alina Schlüter-Mayr, Melissa Elbl

 

Koordiniert durch:

Kontakt über:

lagfa bayern e.V.

Projekt "Sprache schafft Chancen"

Konrad-Adenauer-Allee 43

86150 Augsburg

 

Ansprechpartner: Lilian M. Grote

sprachfoerderung@lagfa-bayern.de

Tel: 0821 207148-21

 


Quicklinks

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